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Zukunftsszenarien zu digitalen Geldscheinen

Zukunftsszenarien zu digitalen Geldscheinen: Was wäre, wenn…?

Was die Zukunft des Bargelds mit Zukunftsdenken zu tun hat

Kommt der digitale Euro? Das ist die Frage, die überall gestellt wird und gleichzeitig die falsche. „Kommt er?“ ist eine Wette auf einen Termin: Man kann richtig oder falsch liegen, klüger wird man dadurch nicht.

Die Frage, die wirklich weiterhilft, lautet: Was wäre, wenn? Und genau hier liegt der Unterschied zwischen Spekulieren und strategischer Vorausschau. Der digitale Euro ist ein fast perfektes Beispiel, um ihn zu zeigen.

Warum das gerade jetzt zählt

Wir schätzen das Bargeld, aber nutzen es immer weniger. Im Euroraum ist die Bargeldnutzung um rund ein Viertel zurückgegangen (Reich, 2026). Gleichzeitig verbinden viele Menschen mit dem Schein in der Hand etwas, das sich schwer digitalisieren lässt: Unabhängigkeit, Anonymität, Krisenfestigkeit. Dass die Nachfrage nach Bargeld sogar steigt, während immer weniger bar bezahlt wird, nennt man das „Banknoten-Paradoxon“ (Bundesbank, 2026). Genau in diesem Spannungsfeld sitzt der digitale Euro.

Das wurde auch in einem Talk der Bundesbank auf der diesjährigen re:publica 2026 deutlich. Er begann mit einer kleinen Publikumsumfrage: Für wen ist der Erhalt des Bargelds wichtig? Eine klare Mehrheit, die Gründe dafür kamen schnell: Unabhängigkeit, Anonymität, Krisenfestigkeit, Datenschutz. Das Bargeld ist für viele also mehr als ein Zahlungsmittel, es ist ein Stück Selbstbestimmung, das man in der Hand hält. Der nüchterne Befund daneben: Digitalisierung lässt sich nicht aufhalten. Beides stimmt irgendwie zugleich.

Ein Versprechen

Dr. Jens Reich von der Bundesbank skizzierte im Talk, was ein digitaler Euro leisten soll: Er wäre sicher, in der Nutzung gebührenfrei und immer verfügbar. Man könnte ihn überall in Europa einsetzen, z.B. beim Einkauf im Laden, online oder um Freund:innen Geld zu schicken. Und er würde das europäische Zahlungssystem effizienter machen, Innovationen fördern und es widerstandsfähiger gegenüber Cyberangriffen oder technischen Störungen machen. Ein überzeugendes Bild. Aber eben: ein Bild. Eine Absichtserklärung, kein Naturgesetz und damit genau die Art von Zukunftsbild, das sich befragen lässt.

Einen Zeitplan gibt es. Zunächst braucht es eine Rechtsgrundlage aus Brüssel, erwartet im Lauf des Jahres 2026. Wird sie verabschiedet, könnte 2027 eine Pilotierung starten, ein möglicher Go-Live wäre 2029. Entscheidend ist das könnte: Die endgültige Entscheidung fällt erst nach der Gesetzgebung. Der Ausgang ist offen.

Ein Produkt, kein Schicksal

Die Bundesbank beschrieb den digitalen Euro im Talk also als ein Produkt mit einem Alleinstellungsmerkmal, das es so noch nicht gibt: digitale Geldscheine. Zentralbankgeld, das digital funktioniert, aber den Charakter von Bargeld behält und für die es nicht zwingend eine weitere Handy-App braucht, sondern auch über eine Kartenlösung funktionieren könnte.

Das Wort Produkt ist hier entscheidend. Ein Produkt fällt nicht einfach vom Himmel, es wird gemacht: aus Entscheidungen, die gerade jetzt getroffen werden. Und je nachdem, wie sie ausfallen, sieht der digitale Euro in zehn Jahren völlig anders aus:

Was wäre, wenn er die Stärken des Bargelds digital einlöst, so anonym und unabhängig wie ein Geldschein zu sein? Und was, wenn nicht? Wenn jede Zahlung digitale Spuren hinterlässt? Zwischen diesen Polen liegen genau die Werte, die das Publikum im Talk aufzählte.

Was wäre, wenn… er Europas Abhängigkeit von außereuropäischen Anbietern verringert? Heute läuft beim Online-Bezahlen vieles über Dienste von außerhalb. In Deutschland dominieren Dienste wie PayPal, während die girocard an der Grenze aufhört. Ein digitaler Euro hieße: weg von PayPal & Co., hin zu einer Zahlungsinfrastruktur, über die Europa selbst bestimmt. Aber was, wenn genau diese Einigung scheitert, weil sie zu lange dauert?

Und das Bargeld? Diese Frage haben wir schon durchgespielt

Die vielleicht größte Was-wäre-wenn-Frage steckt nicht im Euro selbst, sondern in dem, was er mit dem Bargeld macht.

Genau dazu hat die deutsche Bundesbank 2024 drei mögliche Zukunftsszenarien in Auftrag gegeben, die von Schaltzeit in visuelle Bilder übersetzt wurden:

Illustrationen aus der Studie „BARGELD DER ZUKUNFT“, illustriert von Schaltzeit. Bist du Team unbare Zahlung  oder Team Bargeld?

Die hyperdigitale Bezahlwelt

Was wäre, wenn… die Zukunft des Bezahlens künstlich intelligent, bequem und vulnerabel ist? Bargeld ist in diesem Zukunftsbild aus dem Alltag fast verschwunden. Geopolitische Verschiebungen und Digitalisierung haben die Gesellschaft verändert, KI sichert den Wohlstand, alle Lebensbereiche sind stark digitalisiert. Bankfilialen und Automaten gibt es kaum noch, im Handel zahlt fast niemand mehr bar. Anbieter unbarer Zahlungslösungen sind ein attraktives Ziel für Angreifer – sowohl private (Ransomware) als auch staatliche Akteure und extremistische Gruppen, die Chaos stiften oder einen Regimewechsel bewirken wollen.

Die Bargeld-Renaissance

Was wäre, wenn… die Zukunft des Bezahlens smart, selbstbestimmt und resilient ist? Das Zukunftsbild ist eine teilweise Rückbesinnung aufs Bargeld. Als Reaktion auf globale Lieferkettenprobleme kaufen Menschen wieder lokaler, das Bewusstsein für Krisenvorsorge ist gewachsen. Nach kleineren Reformen (Wegfall der 1- und 2-Cent-Münzen, Rundungsregeln, mehr Bezahlautomaten) empfinden viele Bargeld wieder als unkompliziert. Die Nutzung sinkt zunächst, stabilisiert sich aber in den 2030er Jahren. Bargeld wird damit zu einem Resilienzfaktor in Krisenzeiten.

Die verschwindende hybride Bezahlwelt

Was wäre, wenn… die Zukunft des Bezahlens pluralistisch, segregiert und indifferent ist? Ob jemand Bargeld nutzt, hängt in diesem Zukunftsbild stark von Lebensumständen und Einstellungen ab. Der Handel drängt zum bargeldlosen Bezahlen, der Zugang zu Bargeld verschlechtert sich stetig. Die Kosten, um den Bargeldkreislauf und das Geldautomatennetz instand zu halten, werden endgültig zu teuer – und die Bargeldnutzung schleicht sich leise aus.

Drei Bilder, kein Urteil darüber, welches eintritt. Der Wert liegt woanders: Wer alle drei durchdacht hat, ist auf jede vorbereitet – und erkennt, an welchen Stellen sich heute mitgestalten lässt.

Warum das mehr ist als ein Gedankenspiel

Der Sinn dieser Übung ist nicht, die „richtige“ Zukunft zu erraten, sondern auf jede vorbereitet zu sein, egal, welche eintritt. Wer mehrere Zukünfte durchdacht hat, wird von keiner so richtig kalt erwischt und erkennt seine Handlungsspielräume: die Stellen, an denen sich aktiv mitgestalten lässt, statt später nur zu reagieren.

Der digitale Euro ist dabei nur ein Beispiel von vielen. Dieselbe Haltung trägt durch fast jede Frage, vor der Organisationen heute stehen – ob KI, Lieferketten, Regulierung oder gesellschaftlicher Wandel. Die Übung bleibt dieselbe.

Denn Zukunft ist kein Ereignis, das eintritt. Sie ist eine Folge von Weichenstellungen. Die einzige Frage ist, wer an den Weichen steht.

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Solche Was-wäre-wenn-Räume machen wir bei Schaltzeit erlebbar, z.B. in unseren Futures Experiences. Mehr dazu findest du hier: Futures Experience – Welche Zukunftsfragen bewegen dich gerade? Komm mit uns ins Gespräch.

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