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Wie sieht Schaltzeit im Jahr 2046 aus?

Nach all der schönen Nostalgie rund um unser 20-jähriges Jubiläum wird es Zeit, den Kopf wieder in Richtung Horizont zu drehen. Wir haben eine Handvoll inspirierender Menschen aus unserem Foresight-Umfeld eingeladen einen Blick in unsere Zukunft zu werfen: Pointiert, mit einem leichten Augenzwinkern, manchmal auch etwas nachdenklich… Hier findet ihr sechs kleine Szenarien für Schaltzeit im Jahr 2046.

Dr. Isabella Hermann

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Im Jahr 2046 gilt Europa als vollständig berechnete Gesellschaft. Entscheidungen werden nicht mehr ausgehandelt, sondern aus Daten abgeleitet. Politische Prozesse, wirtschaftliche Entwicklungen und selbst individuelle Lebensentscheidungen folgen kontinuierlichen Prognosen, Simulationen und Optimierungslogiken. Parlamente reagieren in Echtzeit auf Stimmungsdaten, Unternehmen steuern sich über permanente Auswertung, und auch im Alltag orientieren sich Menschen ausschließlich an algorithmischen Empfehlungen. Europa versteht sich stolz als „post-future(s)“.

Was dabei verloren geht, ist das Unvorhersehbare, das Widersprüchliche, das Menschliche. Obwohl scheinbar alles antizipiert wird, wirken viele Entwicklungen überraschend. Krisen treten ein, obwohl ihre Daten längst vorlagen. Denn das, was sich nicht berechnen lässt – Werte und Bedeutungen –, wurde aus den Prozessen verdrängt.

In dieser Situation gewinnt die Zukunftsarbeit von und mit Schaltzeit neue Bedeutung. Denn Menschen beginnen, sich aus der Logik der Berechnung herauszunehmen und organisieren inoffizielle Treffen an den Rändern von Organisationen, um das Unberechenbare zurück in die Überlegungen zu bringen. Aus diesen inoffiziellen Runden werden wieder Programme, aus Randgesprächen wieder Strategien. Zukünfte kommen zurück und zwar nicht als etwas, das sich berechnen lässt, sondern als etwas, bei dem wir mitmachen können. Europa wird von „post-future(s)“ zu „joint-future(s)“.

Bernd Stegmann

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2046 gehört Zukunftskompetenz zur Allgemeinbildung. Menschen entwerfen Szenarien beim Frühstück und machen Trendanalysen im Bus. Schaltzeits früherer Beratungsjob wirkt überflüssig – aber die Crew schließt nicht, sie schaltet um. Denn obwohl alle brillant Zukunft denken, fällt vielen das Zukunft-Machen erstaunlich schwer. Zu viel Analyse, zu wenig Anpacken.

Schaltzeit wird deshalb zur Interventions-Werkstatt der Republik: spezialisiert auf Mikro-Zukünfte im öffentlichen Raum, spontane Zukunftsprototypen im Park, Mikro-Reallabore an der Bushaltestelle, kleine Zumutungen für eine träge Gegenwart.

Und der Gründer, inzwischen jenseits der 60. Er ist der sanfte Brandbeschleuniger. Eine Art wandernder Zukunfts-Hausmeister, der mit stoischer Ruhe dort auftaucht, wo gute Vorsätze zu versanden drohen – und mit einem trockenen „Dann probieren wir’s halt mal aus“ ganze Gruppen in den Prototypmodus kippt.

Rolle 2046: Die Gesellschaft kann Zukunft denken. Schaltzeit sorgt dafür, dass sie passiert.

Dr. Karlheinz Steinmüller
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Quantencomputer bringen bis 2046 die Struktur des Universums durcheinander. Hier interviewt gerade eine Netzmedien-KI (N) die Public-Relations-KI von Schaltzeit (S).

N: Wie würdest du unsere Zeit charakterisieren?

S: Wir leben in einer Foresight-trunkenen, nein: besoffenen Welt! Jeder will seine persönlichen Zukünfte kennen. Tag für Tag werden neue Foresight-Apps in Verkehr gebracht.

N: Du hast also Angst vor der Konkurrenz?

S: Lächerlich! Wir sind diejenigen, die danach alles wieder gerade-antizipieren müssen. Seit es diese Do-it-yourself-KIs gibt, ist einfach zuviel Humbug da draußen aktiv: selbsternannte persönliche KI-Futuristen-Agenten, stündliche KI-Horoskope diverser Anbieter, private Lebenshelfer-KIs mit Prognosemodul, aber auch traditionelle Restbestände gerade im Corporate Foresight …

N: Das heißt?

S: Die Spanne geht von Firmen, die Tools auf Basis des I Ging nutzen, bis zu altmodischen virtuellen Unternehmens-Astrologen. Aber vergessen wir nicht die individualisierten biographischen Szenario-Generierer, die im Bedarfsfall auch Lebensläufe mit Blick auf potenzielle künftige Arbeitgeber umschreiben. Neuerdings sind nun noch die Quanten-Entscheider-Apps, auch QuBis genannt, Quanten-Bifurkatoren, aufgekommen.

N: Bitte erkläre das einer simpel gestrickten KI wie mir …

S: Bekanntlich haben viele Menschen Probleme, sich zu entscheiden – beim Menü, beim Shoppen, bei der Berufswahl, der des Verkehrsmittels, bei Aktien, in der Liebe. Ein QuBi fällt auf quantenmechanischer Basis eine Zufallsentscheidung. Der Vorteil: Dank Quantenmechanik spaltet sich die Realität an diesem Punkt in alle Möglichkeiten auf – wird also zum Multiversum – und man verliert keine der Möglichkeiten, realisiert sämtliche …

N: Sorry, für eine nicht quantenbasierte KI wie mich ist das einfach zu hoch.

S: Macht nichts. Für die schweren Fälle sind doch wir von Schaltzeit da. Wir bringen als Stimme der Vernunft jede Zukunft wieder ins Lot, egal in welchem Zweig des Multiversums du dich gerade befindest.

Dr. Bernhard Albert
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Automatisierte Trendberichte im Minutentakt: KI-geflutete Foresight-Anbieter kämpfen um Aufmerksamkeit – liefern aber oft nur Mittelmaß. Schaltzeit geht andere Wege. Drei Hebel führen das Team bis 2046 an die Spitze strategischer Vorausschau: 1. Embodied Signal Detection – trainierte Researcher erspüren, was in Meetings vibriert, im Flur nicht gesagt wird und in den Gesichtern aufflackert – mit einem Sensorium für schwache Signale, in gelebten Beziehungen. 2. Chronomorphic Foresight, in der gesellschaftliche Entwicklung keine Abfolge von Ereignissen ist, sondern eine tektonische Bewegung. Ein Konzept zwischen Macrohistory, Stratigraphie und Paläoklimatologie. 3. Ein Netzwerk von Signal Custodians ersetzt die der Trendscouts. Tief verankert sind in ihren Communities, Subkulturen und Weltregionen vermitteln sie Wissen, das in Beziehungen steckt und nicht auf Servern. Damit liefert Schaltzeit auch 2046 Zukunftsbilder, die die Welt verändern.

Dr. Stefan Niederhafner
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„André“, meldete sich die sanfte Stimme von 9, seinem KI-Assistenten leise, „der Aufzug funktioniert nicht“. André drehte sich um und sah, dass die Stockwerksanzeigen der anderen Aufzüge ebenfalls erloschen waren. „Wie, auch alle betroffen?“ „Ja, 2039, bei der Überholung aller Aufzüge im Block 4 John-Schehr 2-32 wurden SLRB-Chips verbaut.“ André seufzte laut. Warum bloß war er nicht gleich im Homeoffice geblieben? Der Taiwanesischen Liberation Army war es vor ein paar Stunden gelungen, den Control Plane Server von SLRB, Taiwans größtem Computerchiphersteller, in Taipeh in die Luft zu jagen. Das Ereignis löste offensichtlich eine bis dahin nicht bekannte Codesequenz in mehreren Chip-Serien aus, die weltweit in elektrischen Transportmitteln verbaut waren. Der Code löste die Deaktivierung der Chips aus und legte die betroffenen Maschinen lahm. Trotz zahlloser Studien, Diskussionen und Verwaltungsmaßnahmen zur Risikoabschätzung und -minimierung gerade in solchen Bereichen wurden wieder einmal alle völlig überrascht. SLRB hatte zwar schon über eine offizielle Mitteilung verlauten lassen, dass die Existenz einer solchen Sequenz der Firma bislang völlig unbekannt war und mit größter Anstrengung an einer Lösung gearbeitet wurde, aber gegenwärtig war für nahezu alle elektrisch betriebenen Maschinen in weiten Teilen Asiens und Europas Schluss. Auch in Berlin bewegte sich kaum mehr was auf Schiene oder Straße – in die John-Schehr-Straße zu kommen war nach Ausfall der Magnetschwebebahn schon schlimm genug gewesen – und jetzt noch 8 Stockwerke zu Fuß….

Kurz musste André dran denken, dass vor 30 Jahren in den alten Schaltzeiträumen unten im Erdgeschoß ein paar Sachen doch einfacher gewesen waren. Aber er tröstete sich damit, dass er zusammen mit der SelbstBau AG wenigstens die 8 weiteren Stockwerke verhindert hatte.

Er saß kaum an seinem Schreibtisch, da öffnete Run Chu die Tür zu seinem Büro, auch dem jungen Chinesen sah man die bewältigten Treppenstufen deutlich an. „Ich habe der Präsentation fertig“ sagte er. Sein Deutsch war mittlerweile nahezu fehlerfrei. Die Im-Schlaf-Lernprogramme waren faszinierend effektiv. André erstaunte es jedes Mal, wie schnell die Lernprozesse abliefen. Wie immer waren nur die direkten Artikel ein dauerhaftes Problem. Nur schade, dass sie nach wie vor nur bei Menschen unter 20 mit den geringen Medikamentendosen funktionierten. Andrés Spanisch war auch nach drei Monaten noch miserabel und wegen der starken Nebenwirkungen der Begleitmedikation hatte er es vor Kurzem abgebrochen. Wie auch immer, diese Lernprogramme waren ziemlich sicher der Grund, warum bei Schaltzeit überhaupt noch deutsch gesprochen wurde, nicht nur bei den AI-Artists im 6. Stock war der Übergang zum Englischen oft mehr als fließend. Die Übernahme der Kosten für dieses Extra erwies sich unter anderem auch als ein sehr guter Weg, um junge Talente aus der ganzen Welt für die Firma zu interessieren.

„Schön, lass sehen.“ „356, öffne Datei bravenewhuman03_final_final2“. 356 verdunkelte den Raum und startete die Präsentation. Gestochen scharf warfen die 3D-Projektoren die Hologramme in den Raum. 15 Minuten später ging das Licht wieder an. „Sehr schön, sehr überzeugend. Der Deutsche Life Sciences Bund und das Wirtschaftsministerium werden beide zufrieden sein. Dann machen wir morgen noch den Durchlauf vor versammelter Mannschaft – und fertig ist der Startblock des „Bundeskongress Zukunft Mensch“. 9, wie weit ist die Kapsel?“ „Dem Product Backlog entnehme ich, dass sie wieder zusammengebaut ist. Der Fehler wurde um 9 Uhr 57 als behoben eingetragen. Sie kann erneut getestet werden.“ „Sehr schön!“ Andrés Laune besserte sich weiter. Eigentlich war die Kapsel nur ein großes Spielzeug, in dem Menschen per einem Sensorsuit und Augmented Reality Visor fühlen konnten, wie sich technische Verbesserungen des eigenen Körpers anfühlten – oder wie sich deren fehlen auswirkte. Das Ding war nach einem Projekt zur Optimierung von Innovationsprozessen für einen großen deutschen Medizintechnikhersteller aus irgendeinem Grund bei Schaltzeit verblieben und im Asservaten-Keller gelandet. Die Schaltzeitmitarbeiter*innen hatten es nun geschafft, noch ein beeindruckendes Maß an zusätzlicher Realität aus den Simulationen zu holen und den Sensorsuit so verändert, dass er schnell mit den handelsüblichen adaptiven Kleidungsstücken angelegt werden konnte, die Kongressteilnehmende gegenwärtig zu tragen pflegten. Das würde im Verlauf der Veranstaltungen bei der einen oder anderen Person bestimmt helfen, die Potentiale von Augmented Human-Maßnahmen besser einschätzen zu können. Hören ist das eine, fühlen auch 2046 das andere. Die Weiterentwicklung der Kapsel war deutlich teurer geworden als gedacht und fraß Ressourcen weg, die eigentlich anderswo dringend benötigt wurden. Nach wie vor mussten die AI-Assistenten per Nummer aufgerufen werden, weil sich noch keiner um die Implementierung der UN-Richtlinie 2045/9482736 zur Vermeidung von Diskriminierung in der AI-Assistenten-Identifikation kümmern konnte.

Aber die Kapsel war ein verdammt cooles Gadget, jetzt getüncht in Schaltzeitblau und mit einem coolen Sound versehen, wenn sich die Schale schloss. Nach wie vor gehörte es nicht zum Firmenverständnis, Daten und Inhalte nur so zu animieren, dass das Publikum auf endlose Reihen bunter 3D-Kuchen- oder Balkendiagramme starren musste. Zudem war es dringend geboten, gerade den Kritiker*innen deutlich zu machen, welche Möglichkeiten den Menschen in Deutschland und der EU vorenthalten wurden, wenn der Zugang selbst zu einfachen technischen Hilfsmitteln nur denen ermöglicht wurde, die sich einen Flug nach Dubai oder Singapur leisten konnten. An die Begleitmedikation für die Im-Schlaf-Lernprogramme kam Schaltzeit auch erst seit der Aufnahme in die ICC-Liste (importance capitale pour la compétitivité de l’UE) der EU-Kommission.

„Vielleicht hilft ja der Shutdown der SLRB-Chips ja sogar,“ dachte André, „jetzt kommt erstmal keiner mehr nach Dubai“. Er schaute runter auf die Straße, wo sich nach wie vor beinahe ausschließlich Fußgänger, Roller und Fahrräder bewegten.

„Ach ja, 9, zieh mir doch mal den Ordner mit diesem Projekt zur EU-Datensouveränität aus dem Archiv, sechs oder sieben Jahre her, zusammen mit MegaBitKom, für das Verteidigungsministerium und das Innenministerium war das glaube ich, sieht ganz so aus, als sollten wir das nochmal anbieten.“ So konnte das ja in Zukunft nicht bleiben.

Bernd Stegmann

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Zukunft ist 2046 Volkssport. Überall entstehen Hobby-Foresight-Zirkel, Nachbarschaftsprognosen und enthusiastische Sofa-Futuristen. Doch je mehr Zukunftsdenken, desto chaotischer das Gesamtbild: Wunschblasen, Trend-Hypes, kollektiv übersehene Nebenwirkungen.

Hier findet Schaltzeit seine neue Nische. Das Team wird zur unabhängigen Zukunfts-Ombudsstelle: eine Mischung aus Qualitätssicherung, Plausibilitätsprüfung und ethischem Filter. Sie sortieren, entwirren, entnebeln – nicht autoritär, sondern als kuratierende Instanz.

Der Gründer, inzwischen jenseits der 60. Er dient als lebendes Gedächtnis des Möglichkeitsraums. Eine Art Zukunfts-Archivar mit Schalk, der in Sitzungen gelegentlich eine vergessene Perspektive einwirft – oft beiläufig, aber mit enormer Wirkung. Seine Kommentare sind selten, präzise und gefürchtet: „Habt ihr die Nebenwirkung in 15 Jahren bedacht?“

Rolle 2046: Die Gesellschaft produziert Zukunft. Schaltzeit hält sie verantwortungsvoll in der Spur.

Urheber*innen unbekannt
Schaltzeit 2046 Prognosen party

Zum Zukunftsdenken gehört bekanntlich auch die Kunst, mitunter das Undenkbare zu durchdenken. Auf unserer Jubiläumsfeier haben wir diese Disziplin mit vollem Ernst betrieben: Bei guter Musik und Kaltgetränken haben wir gefragt, welche absurden Prognosen ihr für das Jahr 2046 parat habt. Was passiert garantiert nicht – oder vielleicht doch?

Ein paar Highlights:

  • Die Steuererklärung passt auf einen Bierdeckel – wie versprochen.
  • Drucker sind die zuverlässigsten Geräte überhaupt im Büro.
  • Männer und Frauen verstehen sich ohne Worte.
  • Man kann sich in eine Pflanze transformieren.
  • Schaltzeit ist in Vergessenheit geraten.
  • Online Dating ist out. Really!
  • André sitzt auf dem Sofa und geht in Rente.
  • ….

In diesem Sinne: Die Zukunft wurde noch nicht geschrieben, mal sehen was wird.

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