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Unsere 1% für 2026 – gebaut, nicht geplant

Was wäre, wenn Veränderung nicht mit großen Strategien beginnt – sondern mit einem kleinen Modell auf dem Tisch? Im Schaltzeit-Team haben wir uns gefragt: Was sind unsere 1% für 2026? Nicht als Liste. Nicht als Zielkatalog. Sondern gebaut – mit LEGO® Serious Play®.

Jede*r von uns hat ein kleines Modell entwickelt. Keine perfekten Pläne, sondern sichtbare Impulse: Wo wir hinwollen, was uns wichtig ist und woran wir wachsen wollen. Kleine Interventionen im eigenen Alltag. 1%, die machbar sind.

Unsere Softwareentwicklerin Annemarie hat ihr Modell Eine Bachelorarbeit in LEGO genannt: „Mein 1%-Modell zeigt die 13 Wochen meiner Bachelorarbeit: eine klar begrenzte Zeit, die ich bewusst investiert und in meinen Alltag integriert habe. Der Abschluss ist für sich genommen ein kleiner Schritt, verschafft mir aber mehr persönliche Unabhängigkeit und ermöglicht es, Ressourcen in meinem Umfeld freizugeben und andere zu unterstützen.“

Fahrt aufnehmen mit dem Schaltinaut 5001 – Für CEO André ist das das Motto für Jahresbeginn: Anfang des Jahres liegt der Fokus auf mehreren kleinen Veränderungen: 1% mehr bewusste Veränderung, 1% besser vorbereitetet Meetings, 1% bessere Lasten und Verantwortungsverteilung.

Über das Jahr hinweg teilen wir diese Modelle als Mini-Serie mit euch. Jede*r aus dem Team erzählt, das eigene 1%-Modell bedeutet – und wie es sich im Alltag anfühlt.

1% klingt nach wenig. Aber was, wenn genau das der Punkt ist?

Die Transformationsforschung zeigt: Veränderung entsteht nicht nur top-down – durch Politik, Gesetze oder große Institutionen. Sie wächst ebenso bottom-up: in partizipativen Prozessen, Zukunftswerkstätten und alltäglichen Entscheidungen. Und sie braucht vor allem eines: das Gefühl von Selbstwirksamkeit.

Bottom-up trifft Top-down: Wo Veränderung wirklich anfängt

Wenn wir über gesellschaftliche Transformation sprechen, denken wir oft zuerst an die großen Hebel: Förderprogramme, Infrastrukturprojekte, neue Regelwerke. Diese top-down-Ansätze sind wichtig – keine Frage. Aber sie sind nicht die ganze Geschichte. Denn Wandel entsteht genauso an Küchentischen, in Nachbarschaftsinitiativen, in Workshops und Laboren für Zukunftsgestaltung. Dort, wo Menschen selbst ins Handeln kommen, statt zu warten.

Partizipative Methoden wie Zukunftswerkstätten oder Future Literacy Labs zeigen: Wenn Menschen ihre eigenen Zukünfte mitdenken und mitbauen dürfen, passiert etwas Entscheidendes. Sie entwickeln Handlungsfähigkeit. Sie spüren: Ich kann etwas tun. Das ist kein naiver Optimismus, sondern politische Praxis. Bottom-up bedeutet nicht, Politik zu ersetzen, sondern sie zu ergänzen. Transformation wird nicht nur beschlossen – sie wird gelebt.

Modell von Annemarie: „Eine Bachelorarbeit in LEGO“
„Fahrt aufnehmen mit dem Schaltinaut 5001“ von André

Selbstwirksamkeit in Zeiten der Unsicherheit

Was Bottom-up-Prozesse auf gesellschaftlicher Ebene leisten, zeigt sich auf individueller Ebene als Selbstwirksamkeit. In Zeiten von Krisen und Komplexität kann Unsicherheit lähmen. Wenn Probleme zu groß, zu abstrakt oder zu überwältigend wirken, ziehen wir uns zurück. Hier setzt das Konzept der Selbstwirksamkeit an: der Glaube daran, durch eigenes Handeln etwas bewirken zu können. Die Psychologie zeigt, dass Selbstwirksamkeit nicht durch große Versprechen entsteht, sondern durch konkrete Erfahrungen. Durch Momente, in denen wir merken: Das funktioniert. Ich habe Einfluss.
Genau deshalb sind kleine, greifbare Erfolge oft wirksamer als utopische Großprojekte. Sie geben Kontrolle zurück, machen Mut und erzeugen Momentum.

Small Wins: Veränderung in machbaren Schritten

Der Organisationspsychologe Karl Weick hat dieses Prinzip bereits in den 1980er-Jahren beschrieben. Sein Konzept der Small Wins zeigt, warum große gesellschaftliche Probleme häufig handlungsunfähig machen:

„The massive scale on which social problems are conceived often precludes innovative action because the limits of bounded rationality are exceeded.“ (Weick, 1984)

Ein small win ist überschaubar, machbar und sichtbar. Der Unterschied ist spürbar – und genau das macht ihn wirksam. Small Wins überfordern nicht, sie laden ein. Sie motivieren zum Weitermachen.Das gilt nicht nur für Individuen, sondern ebenso für Organisationen und Communities.  Veränderung braucht keine perfekten Strategien. Sie braucht Menschen, die anfangen. Die ausprobieren. Die merken: Es geht.

Zukunft im Alltag gestalten

Diese Logik findet sich nicht nur in der Psychologie, sondern auch in der Design- und Zukunftsforschung. Der Ansatz Designing Future Experiences of the Everyday (Garduño García & Gaziulusoy, 2021) verschiebt den Blick: Zukunft entsteht nicht nur in Strategiepapieren, sondern in alltäglichen Routinen, Ritualen und kleinen Entscheidungen. Das Forschungsfeld der Experiential Futures geht noch einen Schritt weiter. Es verbindet Zukunftsforschung mit Erfahrungsdesign und schafft „echte Erinnerungen an virtuelle Ereignisse“. Statt abstrakte Szenarien zu lesen, erleben Menschen Zukunft. Und sie können sich Zukünfte besonders gut vorstellen, wenn diese an ihre Alltagserfahrungen anknüpfen. Statt große Veränderungen auf einmal an-zustreben, geht es um kontinuierliche Verbesserung. Hier setzt die 1%-Methode an, bekannt aus Atomic Habits von James Clear. Die Idee ist simpel: Statt große Veränderungen anzustreben, verbesserst du dich kontinuierlich um 1%. Das klingt unspektakulär – ist es auch. Aber die Wirkung ist enorm, weil es unsere Psychologie ernst nimmt: Große Ziele überfordern. Kleine Schritte öffnen Handlungsspielräume.

Veränderung braucht keine Perfektion. Sie braucht Menschen, die anfangen. Die ausprobieren. Die merken: 1% reicht. Bottom-up-Transformation, Small Wins und Future Experiences zeigen: Zukunft entsteht im Alltag – in Entscheidungen, Routinen und Experimenten. Und genau deshalb ist sie gestaltbar.

Weiterführende Literatur                                 

Clear, J. (2020). Die 1%-Methode – Minimale Veränderung, maximale Wirkung: Mit kleinen Gewohnheiten jedes Ziel erreichen. Piper Verlag.

Garduño García, C., & Gaziulusoy, İ. (2021). Designing future experiences of the everyday: Pointers for methodical expansion of sustainability transitions research. Futures, 127, Article 102702. https://doi.org/10.1016/j.futures.2021.102702

Holzinger, H. (2018). Zukunftswerkstatt – Betroffene zu Beteiligten machen. https://jungk-bibliothek.org/wp-content/uploads/2015/02/hansholzinger_betroffene-zu-beteiligten-machen_zukunftswerkstatt_praxisbc3bcrgerbeteiligung.pdf

Weick, K. E. (1984). Small wins: Redefining the scale of social problems. American Psychologist, 39(1), 40–49.

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