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1 % Veränderung – warum kleine Schritte manchmal die größte Wirkung haben

Ein persönlicher Eventrückblick aus Trainersicht

Gestern Abend hatten wir bei Schaltzeit wieder einen dieser Abende, bei denen ich auf dem Heimweg dachte: Gut, dass wir uns dafür Zeit nehmen. Kein klassischer Workshop, kein Leistungsraum, kein „Jetzt optimieren wir euch mal“. Sondern ein Zusammenkommen an einem sozialer Ort, an dem Menschen gemeinsam über Veränderung nachdenken – leise, ehrlich, manchmal auch widersprüchlich.

Worum ging es

Das Thema des Abends war das 1 %-Denken: Wie können wir große Ziele ernst nehmen, ohne uns von ihnen zu überfordern? Und wie lassen sich Minischritte so gestalten, dass sie wirklich etwas verändern – im Alltag, nicht nur im Kopf?

Uns war wichtig, gerade zum Jahresanfang einen leichten Einstieg zu schaffen. Viele kommen aus Dezembern mit offenen To-do-Listen, halbfertigen Projekten und dem Gefühl, eigentlich erstmal aufholen zu müssen. Genau dort setzt das 1 %-Denken an: Große Ambitionen geben Richtung – kleine Schritte erzeugen Bewegung.

Der (Gesprächs-)Raum macht den Unterschied

Der Abend lebte nicht von der Methode allein. Der eigentliche Mehrwert entstand im Austausch. Unterschiedliche Menschen, unterschiedliche Lebensrealitäten, unterschiedliche Veränderungsthemen – und trotzdem immer wieder ähnliche Muster: zu viele Ziele gleichzeitig, zu häufiges Ja-Sagen, zu wenig Wahrnehmung für das, was schon gelingt.

Schon im Einstiegsritual – dem Dialog Walk – wurde deutlich, wie viel Klarheit entsteht, wenn man seine Gedanken einmal laut ausspricht. Die Frage war simpel: Welche Veränderungen möchtest du dieses Jahr angehen – und warum gerade diese? Viele merkten dabei schon: Es gibt mehrere Ziele, aber nicht alle sind gerade gleich wichtig.

Kleine Schritte sind nicht banal

In der gemeinsamen Sammlung wurde schnell klar, was Minischritte ausmacht:

  • Sie sind machbar und schnell umsetzbar.
  • Sie erzeugen sichtbares Feedback – sonst nehmen wir sie gar nicht ernst.
  • Sie sind motivierend, weil sie Handlung ermöglichen, statt nur Vorsätze zu formulieren.
  • Die kleinen Schritte lassen sich leicht vergessen, wenn sie nicht wertgeschätzt werden. Daher müssen Ziele und Richtungen grob definiert sein. Ein Visionboard reicht hier schon.

Eine Teilnehmerin brachte es mit einem Bild auf den Punkt: Eine Leiter mit riesigen Stufen schreckt ab. Eine Leiter mit kleinen, unregelmäßigen Stufen wirkt zwar weniger „perfekt“, bringt einen aber tatsächlich nach oben.

Besonders spannend fand ich die Diskussion darüber, dass Veränderung oft nicht durch mehr Tun, sondern durch Weglassen entsteht. Ein Beispiel aus der Runde: Wer weniger Auto fahren will, könnte bewusst keine Winterreifen aufziehen – und zwingt sich damit, Alternativen zu nutzen. Provokant, aber wirksam.

Denken mit den Händen: LEGO® Serious Play®

Mit LEGO® Serious Play® haben wir den Übergang vom Reden ins Begreifen geschaffen. Der Bauauftrag war klar: Baue ein Modell, das einen kleinen, aber echten Schritt zeigt, der dich einer Veränderung näherbringt.

Kein Endzustand, kein Idealbild – nur der nächste Schritt. Die Modelle, die entstanden, erzählten sehr unterschiedliche Geschichten: Loslassen von Ballast, bewusste Pausen, klare Grenzen, kleine Rituale für Fokus oder Entspannung. Manche feierten ihren Start ins Jahr, andere zeigten, wie viel Altlast noch mitschwingt. Beides hatte Platz.

Das Benennen der Modelle war fast genauso wichtig wie das Bauen selbst. Ein Wort, ein kurzer Satz – etwas, das den Kern trifft. Diese Verdichtung hilft, den Schritt später wiederzufinden, wenn der Alltag lauter wird.

Wie hält man kleine Veränderungen durch?

In der großen Sharing-Runde kamen immer wieder ähnliche Fragen auf:

  • Wie mache ich einen Self-Check-in?
  • Wie tracke ich Fortschritt, ohne mich zu kontrollieren?
  • Warum gebe ich einer Vertrauensperson das Mandat, mir unbequeme Fragen zu stellen?
  • Wie bleibt das große Ziel sichtbar, während ich kleine Schritte gehe?
  • Wie verhindere ich, dass neue Aufgaben alte Vorsätze überrollen?

Die Antworten waren vielfältig: Journaling, visuelles Tracking, zufällige Belohnungen, Accountability-Partner:innen, Joker-Sätze zum Zeitgewinnen („Das muss ich mir nochmal überlegen“). Entscheidend war nicht die perfekte Methode, sondern das bewusste Gestalten des eigenen Veränderungsprozesses. Dazu gehört auch die Manifestation: Ich stelle mir den Zielzustand vor. Wie fühlt es sich an, wenn ich mein Ziel erreicht habe?

Der eigentliche Mehrwert

Am Ende war für mich wieder klar: Der größte Effekt solcher Abende entsteht nicht durch Input, sondern durch kollektives Denken. Menschen werfen ihre Themen in den Raum, andere denken mit, spiegeln, ergänzen. Jede:r geht mit etwas anderem nach Hause – aber niemand geht leer.

Ein schönes Detail am Rand: Unsere Schülerpraktikantin Samira war dabei und staunte, dass Erwachsene ihre Freizeit nutzen, um über persönliche Entwicklung nachzudenken. Allein diese Beobachtung zeigt, wie besonders solche Räume sind.

„Zwei Gedanken zum gestrigen Abend, die mich noch bewegt haben: 1) Umso größer das Ziel, umso kleiner und bewusster die Schritte, die ich gehen sollte. 2) Um mit dem menschlichen Beharrungsvermögen umzugehen und es zu überwinden, braucht es Kraft. Wie viel Kraft habe ich gerade, wie viele Ziele oder Veränderungen gleichzeitig anzugehen? Was hat Priorität – und was darf später passieren?“

Genau diese Fragen sind es, die für mich den Kern des 1 %-Abends treffen. Mein Fazit: Minischritte sind kein Rückzug aus Ambition. Sie sind ihr Betriebssystem. Und manchmal reicht 1 %, um wieder ins Gehen zu kommen.

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