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Programmierst du noch oder „vibest“ du schon?

Ein Deep Dive ins Vibe Coding

Es gibt Begriffe, die klingen erst einmal nach dem nächsten großen Hype aus dem Silicon Valley. Vibe Coding ist so einer. Doch wer genauer hinschaut, merkt: Hier passiert gerade etwas Grundlegendes, das die Barrieren zwischen „Techies“ und Fachabteilungen einreißt.

Vergangene Woche war ein Teil unseres Teams – André, Nilofar, Tim und Lucas – bei einem Community-Event der Bayer AG in Berlin, um dieses Phänomen näher zu erkunden. Zurück im Büro haben sie ihre Eindrücke mit unserer aktuellen Schülerpraktikantin Samira geteilt. Samira hat selbst keinen Hintergrund in Softwareentwicklung – und genau das machte ihren Blick auf das Thema so spannend: Ist das nur Spielerei für Profis oder wirklich der Schlüssel für alle?

Kein Raum voller Hoodies

Schon der erste Eindruck vom Event überraschte. André erzählte, dass dort keineswegs nur die typischen Softwareentwickler saßen. Stattdessen trafen unsere Kolleg:innen auch auf Biologinnen, Chemiker, Medizinerinnen und Studierende. Menschen, die Fachexpert:innen auf ihrem Gebiet sind, aber bisher kaum Software gebaut haben.

Das ist der Kern von Vibe Coding: die Demokratisierung der Entwicklung. Fachexpert:innen können ihre Probleme plötzlich selbst lösen und Prototypen bauen, ohne wochenlang auf die IT-Abteilung warten zu müssen. Oder wie André es im Gespräch mit Samira auf den Punkt brachte: „Es geht nicht mehr darum, Syntax auswendig zu lernen. Es geht darum, Probleme klar zu strukturieren. Wer logisch denken kann, kann jetzt auch bauen.“

Vom Coden zum Komponieren

Nilofar erklärt, was technisch dahinter steckt: „Beim Vibe Coding schreiben wir den Code nicht mehr Zeile für Zeile selbst. Stattdessen formulieren wir Anforderungen, Regeln und Ziele in natürlicher Sprache. KI-Agenten übernehmen dann die handwerkliche ‚Knochenarbeit‘ der Programmierung.“

Für Nilofar war das die größte Erkenntnis des Abends: „Ich habe bei diesem Event nicht nur neue Tools kennengelernt – wie Cursor, das für mich neu war –, sondern auch verstanden, dass ich Vibe Coding noch effizienter nutzen kann. Es gibt viele ergänzende Hilfstools, die ich vorher gar nicht kannte. Außerdem war der Austausch mit Menschen aus verschiedenen Fachbereichen unglaublich bereichernd.“

Das Werkzeug wird zur Verlängerung der eigenen Gedanken. Die KI agiert als Werkzeug, nicht als Ersatz für den Menschen.

Aber ist das auch sicher?

Eine Frage brannte Samira im Interview besonders unter den Nägeln: Wenn die KI den Code schreibt – verlieren wir dann nicht die Kontrolle? Gerade in sensiblen Bereichen wie der Pharmaindustrie klingt das riskant.

Die Antwort aus der Praxis ist beruhigend. Vibe Coding bedeutet nicht „Blindflug“. André berichtete von den Vorträgen bei Bayer, die zeigten, dass man KI-Agenten sehr klare Leitplanken, Sicherheitschecks und Tests mitgeben kann. Man kann es sich fast wie einen redaktionellen Workflow vorstellen: Es gibt ein Lektorat, bevor etwas veröffentlicht wird – nur eben automatisiert für Software. Bayer nutzt das sogar, um sicherzustellen, dass interne Standards eingehalten werden, auch wenn Externe die Software schreiben.

Warum wir dabei waren: Vibe Coding in der Schaltzeit-Praxis

Warum interessiert uns das überhaupt? Als kleines Team, das sich intensiv mit Zukunftsforschung und Innovation beschäftigt, spüren wir: Hier verändert sich etwas Grundlegendes. Wir setzen uns täglich mit KI-Trends auseinander, aber Vibe Coding ist für uns mehr als nur Theorie. Es bietet unserem agilen Team völlig neue Hebel in der Softwareentwicklung.

Der Austausch mit Gleichgesinnten bei der Veranstaltung hat bestätigt, dass wir auf dem richtigen Weg sind. Aktuell nutzen wir diese neuen Möglichkeiten auf unterschiedlichen Ebenen: Einige im Team experimentieren auch abseits der Arbeit damit, um die Grenzen der Technologie auszuloten. Andere setzen es bereits produktiv bei der Arbeit ein, etwa bei der Entwicklung von Plattformen für Kund:innenprojekte. Auch unsere Formate profitieren davon: Wir begleiten Promptathons und Hackathons, bei denen Vibe Coding live zum Einsatz kommt, um Ideen in Rekordzeit greifbar zu machen. Das verändert unsere Prozesse – sie werden schneller, iterativer und zugänglicher für das gesamte Team.

Lernen als Nebenprodukt

Für uns bei Schaltzeit ist dieses Thema ein perfektes Beispiel für „Zukunft als Möglichkeitsraum“. Es lädt dazu ein, Dinge auszuprobieren, ohne sofortige Perfektion zu erwarten. Nilofar betonte, wie sehr das Event vom gemeinsamen Lernen geprägt war – weg von Frontalbeschallung, hin zum Austausch über Abteilungsgrenzen hinweg:

Weg von starren Rollenbildern hin zu einer fluideren Zusammenarbeit. Die Fähigkeit, ein Problem in Sprache zu fassen, wird wichtiger als das Beherrschen einer Programmiersprache.

💡 Eine Einladung

Was wäre, wenn in deinem Team plötzlich jede*r in der Lage wäre, kleine Software-Tools für den eigenen Alltag zu bauen? Wie würde das eure Prozesse verändern?

Wir sind neugierig auf eure Erfahrungen mit KI-gestützter Entwicklung. Schreibt uns gerne oder kommt auf einen Kaffee vorbei – vielleicht coden (oder viben) wir dann direkt eine Lösung zusammen.

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