Subscribe now
Neues aus der Schaltzentrale
Sign up now to receive regular updates directly to your inbox. All at an appropriate delivery interval that respects your time and attention.

Mut zur Zukunftsgestaltung

Was der 24. DKVF über den Zustand und die Zukunft der Versorgungsforschung zeigt

Auf dem 24. Deutschen Kongress für Versorgungsforschung (DKVF) in Hamburg wurde an drei Tagen intensiv über die Zukunft unseres Gesundheitssystems diskutiert – und über die Frage, wie Veränderung tatsächlich gelingen kann. Ausgerichtet vom Deutschen Netzwerk Versorgungsforschung e.V. (DNVF), trafen hier Forschung, Praxis und Politik aufeinander.

Die Advanced Foresight Group war gemeinsam mit Foresight Solutions, Schaltzeit GmbH und Zukunft X UG vor Ort vertreten – mit einer klaren Mission: Mut machen zur Zukunftsgestaltung.

🔬 State of the Art: Zukunftsforschung in der Versorgungsforschung

In der Session „State of the Art: Zukunftsforschung“ diskutierten unter anderem Dr. Bernhard Albert, Prof. Dr. Kerstin Cuhls, Karlheinz Steinmüller und Michaela Evers-Wölk, wie zukunftsfähig die Versorgungsforschung heute aufgestellt ist – und wo sie sich zwischen Reaktion und aktiver Gestaltung bewegt.

Mein eigener Beitrag setzte genau hier an: mit einer umfassenden Analyse der Abstracts der vergangenen DKVF-Jahre, die zeigt: Versorgungsforschung erkennt früh – aber gestaltet zu selten konsequent voraus.

Die großen Themen sind klar: Digitalisierung, KI, Resilienz, Fachkräftemangel, Klimawandel, soziale Ungleichheit.
Doch zwischen Erkenntnis und Umsetzung klafft weiterhin eine strukturelle Lücke.

🧠 Nicht nur reden – erleben: Zukunftshaltungen im Hörsaal

Statt diese Erkenntnis nur theoretisch zu präsentieren, ist Schaltzeit CEO André Winzer mit seinem Vortrag einen anderen Weg gegangen. Der gesamte Hörsaal musste aufstehen. Mit einer Großgruppenübung zu fünf Zukunftshaltungen wurde Zukunft plötzlich körperlich erfahrbar: passiv – reaktiv – aktiv – proaktiv – präaktiv.

Die Übung ist detailliert dokumentiert und wurde von André Winzer entwickelt. Sie basiert auf einer einfachen, aber tiefgreifenden Erkenntnis: Nachhaltige Zukunftsgestaltung entsteht nicht durch äußeren Druck – sondern durch innere Energie, Voraussicht und Mut.

Die Teilnehmenden durchliefen nacheinander:

  • Passive Haltung: Abwarten, keine Bewegung, keine Tatkraft.
  • Reaktive Haltung: Bewegung nur, wenn jemand anstößt.
  • Aktive Haltung: Eigene Energie, eigenes Handeln.
  • Proaktive Haltung: Vorausschauen, Signale erkennen, vorbereitet sein.
  • Präaktive Haltung: Mutig nach vorn treten, Ideen sichtbar machen, Zukunft setzen.

Besonders die präaktive Phase veränderte die Atmosphäre: Menschen treten nach vorn, formulieren konkrete Forderungen und Vorhaben, die anschließend aufgeschrieben und öffentlich aufgehängt werden – als sichtbares Symbol für kollektiven Zukunftsmut. Hier in Hamburg trat kein einziger Mensch nach vorn.

Sicher ein Spiegelbild, dass der Zukunftsmut nicht immer vorhanden ist. Diese Methode steht exemplarisch für die Arbeitsweise von Schaltzeit: Experience for forward Thinking! Komplexe Zukunftsfragen werden nicht nur analysiert, sondern emotional, körperlich und sozial erlebbar gemacht, um echte Veränderungsenergie freizusetzen.

🤖 Wenn KI spricht – und Menschen nur die Lippen bewegen

Ein weiterer Moment sorgte für Irritation – und für nachhaltige Wirkung. Ich hatte mit Hilfe von KI einen Podcast generiert. Zwei Protagonist:innen wurden gebeten, nach vornzukommen und den Text lediglich lippensynchron zu „sprechen“. Die Botschaft war unmissverständlich: Auch eine KI kann entmündigen. Wenn wir nicht bewusst gestalten, wie Technologien in Entscheidungsprozesse integriert werden, verlieren wir Handlungshoheit – selbst dann, wenn alles effizienter wirkt.

Der Lohn für dieses Wagnis: tosender Applaus und eine intensive Diskussion über Verantwortung, Kontrolle und Zukunft der Entscheidungsfindung im Gesundheitssystem.

🔮 Ein besonderes Goodie: Das Zukunftsorakel

Als zusätzliches Highlight brachten wir unser Zukunftsorakel mit nach Hamburg. Alle Teilnehmenden konnten spielerisch individuell angepasste Orakelbotschaften zur Zukunft der Versorgungsforschung erleben – von technologischen Weichenstellungen über neue Kooperationsformen bis hin zu Fragen von Verantwortung und Governance. Das Orakel wirkte als Gesprächsöffner, Denkprovokation und Motivation zugleich. Viele der Impulse tauchten später erneut in den Diskussionen auf.

🏥 Resilienz reicht nicht – wir brauchen präaktive Gestaltung

Resilienz ist wichtig. Aber sie reicht nicht. Resilienz bedeutet, Krisen auszuhalten. Präaktive Zukunftsgestaltung bedeutet, Krisen zu vermeiden. Nicht nur DNVF-Vorstandsvorsitzender Prof. Hoffmann, auch wir als Foresight-Community sind überzeugt: Innovationen müssen schneller, sozialer und systemischer in die Praxis gelangen.

🌍 Ein Kongress als Signal

Der 24. DKVF war mehr als ein Fachkongress. Er war ein Spiegel unseres Systems – zwischen hoher Kompetenz und struktureller Trägheit, zwischen Reaktion und Gestaltung, zwischen Risiko und Mut. Wenn wir die Zukunft unseres Gesundheitssystems wirklich beeinflussen wollen, dann nicht nur durch neue Studien, sondern durch neue Haltungen.

Und genau dort beginnt Zukunft.

Weitere interessante Artikel